Liegt die Zukunft in der Selbstständigkeit?

Liegt die Zukunft in der Selbstständigkeit?

Ich bin gestolpert und gefallen. Dann bin ich wieder aufgestanden, erneut gestolpert und wieder hingefallen. Im ersten Moment lesen sich die Zeilen wie ein „typisch deutscher“ Bericht. Wir sind eine meckernde Nation, die vorrangig das Schlechte sieht. Was ist aber, wenn ich meine Einleitung umformuliere in:

[spp-tweet tweet=“Ich bin gestolpert, gefallen und wieder aufgestanden! Erneut gestolpert, hingefallen und wieder aufgestanden!“]

Wie klingt das für dich?

Der Tag steckt voller Ereignisse und Möglichkeiten

Dieser Beitrag ist mein Beitrag zur Blogparade von Kontist. Kontist ist ein Anbieter eines Geschäftskonto für Selbstständige. Außerdem ist Kontist einer unserer Sponsoren der 03. Paperless Pioneers Conference am 09.06.2018 in Berlin. Das alles erwähne ich aber nur, damit ich dir jetzt sagen kann: Auch ohne all diese Umstände hätte ich an der Blogparade teilgenommen! Die Fragestellung dazu hat mich sofort bei dem Facebook-Post angesprochen und gerne möchte ich meinen Teil aus meiner eigenen Geschichte dazu beitragen.

Die Zukunft der Arbeit: Selbstständigkeit?

Ich war nicht immer Paperless Coach. Es gab Zeiten da war ich Schüler, Auzubi, Rettungsassistent und Getränke-Lieferant. Das mit dem papierlosen Büro hat sich über die Jahre entwickelt. Es war ein Thema, das mich gepackt und fasziniert hat – in seinen Bann gezogen!

Heute kann ich davon leben. Das Thema Selbstständigkeit war nie mein erstes Ziel. Besonders die Arbeit im Rettungsdienst hat sehr wenig von eigner, freier Entfaltung. Das ist keine Kritik an der Arbeit, sondern einfach notwendig, damit Personen in Not schnellstmöglich geholfen werden kann. Es gibt klare Anweisungen, was wann zu tun ist in einem Notfall. Vielleicht spielt dem zu Gute, das jeder Notfall anders ist und man seine Handlungen entsprechend flexibel anpassen muss.

Vermutlich ist es insofern nachvollziehbar, dass ich für das Thema „Selbstbestimmung“ und „Selbstständig“ sehr offen war und heute auch noch bin. Aber sehe ich darin die Zukunft der Arbeit? Gefühlt hat sich in meinem Umfeld sehr viel getan, seit dem ich diesen Schritt gegangen bin. Meine Umgebung besteht nicht mehr aus Feuerwehrleuten und medizinischen Fachpersonal, sondern aus Selbstständigen und Unternehmern. Die Gespräche drehen sich nicht mehr um die neusten medizinischen Erkenntnisse oder den Schichtplan, sondern um Business-Modelle. Aber ist deswegen die Selbstständigkeit die Zukunft?

Für mich ja, aber für viele andere nicht

Und damit komme ich zurück auf den meckernden Deutschen. Verzeih es mir bitte, aber meiner Meinung nach fehlt uns Deutschen, und damit inkludiere ich mich selbst auch, eine gehörige Portion Gelassenheit. Wir schauen zum Nachbarn, auf sein Haus, sein Auto und seine Urlaube. Und was machen wir dann? Wir nörgeln.

Das ist aus heutiger Sicht einer der Hauptgründe, weshalb wir nicht die Selbstständigen-Nation werden. Es fehlt uns an Gelassenheit. Die Gelassenheit, dass andere (ungestraft) mehr von etwas haben dürfen. Die Coolness es anderen zu gönnen. Und die Freiheit über finanziellen Erfolg oder auch Misserfolg zu sprechen.

Mutter, Vater, ich habe mein Unternehmen an die Wand gefahren

Wer traut sich davon zu berichten? Auch ich bin nicht besonders stolz auf die meine Fehlschläge. Und ich habe die eine oder andere Idee bereits vor die Wand gefahren. So richtig mit Vollgas und mehr als blaues Auge, ich habe dabei Geld verloren. Das tat auch weh, aber vor allem war es eine Erfahrung. Ich bin also nicht gescheitert, sondern ich habe etwas dazugelernt: „Wie man etwas nicht macht!“.

War mein Fehlschlag denn mein Lebensurteil?

Nein, mit Sicherheit nicht. Vielmehr war ich einfach nur hingefallen. Einige fallen mit 10 Euro in der Geldbörse hin, anderen mit 1.000 Euro und wiederrum anderen mit mehreren Millionen. Aber ändert der Betrag irgendetwas daran, wie der Mensch ist oder was er zukünftig tun darf? Heißt es dann „war nett, aber jetzt zurück ins Glied und wieder Angestellter sein“!?

Selbstständigkeit ist ein Risiko – Autofahren auch!

In meinem Umfeld habe ich mittlerweile mit sehr vielen Unternehmern zu tun. Das liegt vor allem daran, dass sich die thematischen Schnittmengen mit den Kollegen von früher deutlich reduziert haben. Insofern kommt es mir so vor, als wäre Deutschland ein Selbstständigen-Land. Natürlich, denn um mich herum sind nur Selbstständige. Jedes Familien-Fest oder Geburtstag von Kumpels lehrt mich allerdings dann wieder das Gegenteil.

„Papierloses Büro? Echt jetzt, damit kann man Geld verdienen? Wie viel denn? Reicht das zum Leben?“

Ich bin es leid diese Fragen zu beantworten. Selbstständigkeit hat immer das Risiko, dass ein Angestellter augenscheinlich nicht hat. Für mich ist das Risiko aber nicht die Selbstständigkeit, sondern das Angestelltenverhältnis. Als Selbstständiger habe ich mein Risiko selbst in der Hand und nur ich bin für das Ergebnis verantwortlich. Nur ich, ganz allein. Also liegt es doch auch an mir, wie erfolgreich ich werden kann. Und natürlich auch wie viel ich verdiene.

Trotz allem beobachte ich doch einen sehr hohen Anteil Nebenselbstständiger in meinem Umfeld. Scheinbar gibt es zunehmend den Wunsch „irgendwas eigenes zu machen“. Und viele machen aus dem Wunsch dann auch etwas Eigenes. Ob für 100 Euro im Monat oder für mehrere tausend Euros – das ist egal. Es gibt einen Ausgleich zum Angestellten-Sein, der auf mehr eigener Freiheit basiert. Also ist das Modell Selbstständigkeit vielleicht doch zukunftsfähig?

Globalisierung, Digitalisierung, Automation – Die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts

Ende des letzten Jahrtausends setzte ein Trend ein, der aus heutiger Sicht weitreichende Konsequenzen hatte. Glaubt man den Experten, so wird sich Wachstum dieser Technologien exponentiell entwickeln. Die Rede ist von der Industrie 4.0 – oder auch der Digitalisierung! Sie bietet uns allen viele Vorteile, aber genauso viele Nachteile. Und daraus ergeben sich für die Unternehmen vollkommen neue Herausforderungen, die sie bis dato nicht auf dem Zettel hatten.

[spp-tweet tweet=“Nun finden wir Veränderungen per sé erst einmal doof. Und wenn wir etwas doof finden, spielen wir einfach nicht mit und verbieten es.“]

Wenn unsere Kanzlerin jedes Jahr wieder die Tech-Messen Deutschlands mit den Worten eröffnet „man müsse sich mal um dieses Internet kümmern“ ist das symbolisch für den Stand, den wir hier als Selbstständige und Unternehmer haben.

Wenn uns Länder wie Estland, Schweden oder Thailand bei der Digitalisierung nicht eine Nase voraus sind, sondern die Länge des weltweit größtes Containerschiffes – lässt das nicht die Alarmglocken bei dir schlagen?

Der Selbstständige hat einen Auftrag

Ich möchte an dieser Stelle ausdrücklich darauf hinweisen, dass der Angestellte für mich kein Unmensch, Nörgler oder Bequemlichkeits-Mensch ist. Nein, wirklich nicht. Ich habe nur den großen Luxus beide Seiten zu kennen. Und für mich ist das Modell „Angestellt-Sein“ kein wirkliches Lebensmodell mehr. Mir ist egal, ob mein Nachbar weiter reist, ein größeres Auto fährt oder was auch immer. Ich habe mich dem papierlosen Büro verschrieben und ich möchte dieses Thema als Konsequenz aus unserem nationalen Handeln vorantreiben.

Ich bin nicht so vermessen zu behaupten, dass es am Ende an mir liegen wird. Mein Teil und der Teil unserer Community werden aber im Gesamtbild dazu beitragen, dass wir als Land der Digitalisierung offen gegenüberstehen. Schon die Seefahrer waren zu ihrer Zeit Pioniere und haben neue Länder, Inseln und Gegenden erkundet. Viele von ihnen kamen mit leeren Händen zurück, andere gar nicht und wiederrum andere meinten Indien gefunden zu haben. ALLE haben aber dazu beigetragen, dass wir heute die Kontinente auf dieser Welt „kennen“ und sie als Kugel im Sonnensystem begreifen. Finanziell reich geworden sind daran nur die wenigsten Seefahrer, aber alle konnten ihren Traum leben.

Natürlich ist das sehr romantisch dargestellt. Allerdings bringt mich diese Parallele zu der Erkenntnis, dass es immer Pioniere und „Seefahrer“ geben wird. Und da die Weltkugel erforscht ist, befinden wir uns mittlerweile auf der Reise zu digitalen Inseln. Wir suchen nach Neuland, was uns gesamtheitlich voran bringt.

Ist die Selbstständigkeit das Arbeitsmodell der Zukunft

Aus meiner Sicht nein. Sehr wohl nehme ich wahr, dass es deutlich mehr Nebenselbstständige gibt und Menschen, die neben ihrem Hauptfokus noch etwas machen wollen. Auch wenn ich diesen Trend, der auch durch die offiziellen Zahlen bestätigt wir, sehr begrüße, glaube ich dennoch nicht, dass er ausreicht um eine Selbstständigen-Flut auszulösen. Ist das denn notwendig?

Ich kann mir eine Nation mit einem überwiegenden Anteil von Selbstständigen nur schwer vorstellen. Das würde an den Grundelementen unserer Überzeugung rütteln. Wenn die FDP auf einmal stärkste Partei wäre und die SPD um den Einzug in den Bundestag bangt? Nein, das ist kein Szenario was ich miterleben möchte. Vielmehr glaube ich, dass sich die Arbeitsmodelle von Natur aus durch die verschiedenen Möglichkeiten in eine selbstbestimmtere Richtung verschieben. Home Office, Remote Work, Ortsunabhängiges Arbeiten – alle diese Möglichkeiten sind erste Resultate der Digitalisierung. Und meiner Meinung nach sind wir damit noch lange nicht am Ende. Es dauert nun gerade „erst 20 Jahre“ an – die letzten Zeitepochen gingen über 50 bis 100 Jahre. Also sei vielmehr gespannt auf das, was dort kommt.

Ich möchte helfen aufzustehen und sehe meine Berufung darin

Es ist wohl unbestritten, dass viele Arbeitsplätze noch auf „alten Technologien“ basieren. Wer sich an der Börse einmal die DAX30-Unternehmen durchschaut, stellt fest, dass es dort hauptsächlich Unternehmen mit viel Tradition gibt. Das wird im Zweifel nicht davor schützen in der Digitalisierung in eine falsche Richtung zu fahren. Langsam aber sicher merke ich speziell in meiner Beratung jedoch, dass sich der Lastkahn „Deutschland“ neu ausrichtet. Natürlich meckern wir lieber über den Diesel-Skandal – da steht ja auch das Auto vom Nachbarn in der Garage, mit dem wir uns international vergleichen können. Weißt du aber welche Technik bei E-Autos auch bei uns schon eingesetzt wird? Wie steht es hier um uns?

Wenn ich einigen Experten Glauben schenken mag, um mich hier zu äußern, kommen wir gerade aus dem Prozess „hingefallen“ in den Prozess „aufstehen“. Und das ist nicht nur bei den Automobilen so, sondern bei vielem anderen auch. Unternehmens-Gründung per Mail und Fax? Nein, wir haben noch nicht den Stand wie Estland, aber es geht schon papierlos.

Ich verstehe mich als Pionier mit einem erlernten Knowhow, der als Selbstständiger das Schiff steuern kann. So kann ich meinen ganz eigenen Weg fahren, spiele aber dennoch für angestellte „Schiffe“ eine wichtige Rolle. Außerdem trage ich und mein Team generell etwas dazu bei und wir möchten diesen Prozess „aufstehen“ unbedingt aktiv begleiten.

Selbstständig oder nicht – Der Grad und Wunsch nach Selbstbestimmtheit ist wichtig

Unsere Arbeitsplätze befinden sich seit Jahren in einem Wandel. Vermutlich wird sich dieser noch deutlich beschleunigen. Zum heutigen Zeitpunkt ist noch nicht klar, wohin der Weg uns führen wird. Klar ist aber, dass sich die Umstände so ändern werden, dass sich auch Angestellte weitaus mehr Selbstbestimmtheit wünschen dürfen. Vielleicht ist das die Reaktion der „Großen“ darauf, dass die kleinen eine Revolte starten für mehr Eigenverantwortung starten. Ich weiß es nicht. Die Zeiten am Fließband sind jedenfalls vorbei, wir dürfen nun selbstständig denken.

Ich scheue mich nicht hier zu wiederholen, das ich auch Angestellter war und diese allzu „bequeme Komfortzone“ kenne. Wirklich bewußt wird einem das aber erst, wenn trotz „unbefristeten Verträgen mit allem pipapo zum Thema Angestelltenschutz“, plötzlich Einsparungsmaßnahmen o.ä. umgesetzt werden müssen. Diese Seite der Medaille, kenne wahrscheinlich nicht nur ich. Die Selbstständigkeit ist mit Sicherheit auch nicht für jeden etwas. Ob sie am Ende passt oder nicht ist nur durch die ganze eigenen Ziele und Wünsche zu beantworten. Ich glaube, dass wir uns derzeit in einer sehr chancenreichen Zeit aufhalten. Sie bietet vielen die Möglichkeit in das Thema Selbstständigkeit hinein zu schnuppern und Gefallen daran zu finden. Gleichzeitig bestraft sie aber nicht zwingend diejenigen, die zurück ins Angestelltenverhältnis wollen.

Eigentlich sind das perfekte Bedingungen für alle. Und jeder, der sie nicht nutzt handelt eigenverantwortlich. Ist er deswegen besser oder schlechter? Nein, weder noch, denn am Ende geht es nur darum, welches Leben dir vorschwebt und mit welchen Möglichkeiten du es am besten erreichen kannst. Ich habe für mich selbst entschieden, dass die Selbstständigkeit für mich kein Risiko darstellt, sondern eine enorme Chance. Und es liegt nur an mir sie zu nutzen.

Ihr wollt mitmachen bei der Kontist-Blogparade?

Artikelbild by: https://pixabay.com/de/klettern-kletterer-sport-2609319/

Noch keine Kommentare vorhanden.

Was denkst du?

PPC04 | Köln

Ticket sichern!

ON AIR

Wir empfehlen

FastBill



Bewertungen

Erfahrungen & Bewertungen zu André Nünninghoff
Paperless GmbH, Landgutweg 2, 28355 Bremen, Deutschland
| fon: +49 800 / 24 222 22 | email: team@paperless.gmbh