Warum du erst auf Papier zeichnen musst um digital zu zeichnen… Gastartikel by Susanne Speer

Warum du erst auf Papier zeichnen musst um digital zu zeichnen… Gastartikel by Susanne Speer

Als ich vor kurzem mit André über das Thema papierlos arbeiten gesprochen habe, wurde mir schnell klar, dass ich vieles bereits digital und papierlos tue, was vor vielen Jahren noch undenkbar gewesen wäre. Und doch brauchen manche Prozesse analoge Vorbereitung, um digital wirklich gut funktionieren zu können.

Sketchnotes digital

In Liveworkshops oder Webinaren werde ich immer wieder gefragt, ob man Sketchnotes auch digital machen kann. Klar, antworte ich dann, aber nicht sofort. Meist sind die Teilnehmer dann ein wenig enttäuscht und das ist der Moment, wo ich die erste Euphorie gern in Richtung Verständnis lenke. Dafür nehme ich dich kurz mit auf meine eigene Reise zum digitalen Sketchnoten. Graphic Recordings, also das Dokumentieren von Workshops und Keynotes live und in Echtzeit mache ich mittlerweile fast ausschließlich digital und das war eine Entwicklung, die ein gutes halbes Jahr gedauert hat, bis ich zufrieden war. Gestartet bin ich ganz analog mit Papier, Fineliner und Pinselmarker. Nach den ersten digitalen Sketchnotes hab ich festgestellt, dass der Prozess ein anderer ist, als mit Stift und Papier und viel mehr Eigendisziplin erfordert.

Vielmehr ein Denkprozess

Erstmal ist es wichtig zu verstehen, dass Sketchnoten (von sketch=engl. Zeichnen und note= engl. Notiz) ein Denkprozess und eine Visualisierungstechnik ist, die Inhalte mit möglichst wenig Text und bildhaften Elementen reduziert. Das Ziel ist, ein Thema so knapp auf den Punkt zu bringen, dass alles auf eine Seite passt. Dazu sind ein paar Fähigkeiten nötig, die Training und Zeit brauchen, um zu wachsen und zu gedeihen.

Fähigkeiten eines guten Sketchnoters

  • Hören – Was steckt hinter der Aussage, wie klingt sie knapp formuliert
    Hier stört auch ein wenig Wissen aus dem Coaching über das Metamodell der Sprache nicht ;-)Ganz klar ist vor allem das Hören eine höchst subjektive Sache. Im Ergebnis werden also bei mehreren sketchnotenden Teilnehmern eines Meetings optisch unterschiedliche Schwerpunkte entstehen.
  • Vom Wort zum Bild – welche Metapher, welches Bild drückt, erklärt, verstärkt die Aussage so, dass sie fast jeder (der zumindest thematisch interessiert ist) versteht
    Dafür ist der Aufbau einer eigenen Bildbibliothek sinnvoll, in der du Metaphern und Bildsymbole sammelst und klassifizierst. Zum Beispiel der Schmetterling kann für Leichtigkeit stehen oder auch für Verwandlung…Hier geht es darum, dass du passend zum Inhalt, den du darstellst, Bilder findest, die durchaus bekannt sind.
  • Einfachheit – Wie einfach und schnell ist der Inhalt zeichenbar, welche Striche sind wirklich nötig, damit das Symbol oder Icon alles enthält?

Das ist zum einen abhängig davon, wie viel Zeit zur Verfügung steht, aber auch wie ausgearbeitet ein Symbol wirklich sein muss. Es erfordert ein wenig Mut und Erfahrung noch ein paar Striche mehr wegzulassen, um das Gleiche zu sagen und es schnell und leicht darzustellen.

  • Text – Welche Worte sind unabdingbar, um die Bildmetapher optimal zu ergänzen?
    Dazu gehört ein gewisses radikales Vorgehen und auch wiederum Mut, zu reduzieren und dich zu beschränken.

Digital ist anders

Was ich hier beschreibe sind die idealen Fähigkeiten, die einen guten Sketchnoter ausmachen. Wenn du zu allen Punkten sagst, das kann ich, kein Problem, dann ist Zeit das Ganze digital umzusetzen. Wenn du mir vor ein paar Jahren erzählt hättest, dass ich die meisten Dinge für mein Business übers Ipad erledige, hätte ich dich wahrscheinlich ausgelacht. Heute ist das mein Stand der Dinge. Um das tun zu können, hat es allerdings einen Haufen Zeit, Einarbeitung und vor allem Übung mit digitalen Werkzeugen gebraucht.

Hier kommt auch die Disziplin ins Spiel. Die ersten digitalen Sketchnotes haben mich wahnsinnig viel Zeit gekostet, weil ich irgendwo im Hinterkopf wusste, ich kann digital leicht etwas ändern und zack! waren zwei Stunden um, in denen ich Dinge auf dem Tablet hin- und hergeschoben hab und Korrekturen gemacht habe. Da wäre es einfacher gewesen, die Zeichnung nochmal zu machen, aber ich bin in die Falle der technischen Möglichkeiten getappt. Auch das ist ein Lernprozess, die flexiblen digitalen Möglichkeiten zu kennen und sie aus Effizienzgründen trotzdem zu ignorieren und auszublenden.

Beherrsche deine Werkzeuge

Ein weiterer Fallstrick beim digitalen Sketchnoten sind die machtvollen Tools, die so viel können, dass es gar nicht so einfach ist, sie zu beherrschen.Klar habe ich mein eigenes Lieblings-Setting, um digitale Sketchnotes zu erstellen. Ich nehme mein großes IpadPro, den wundervollen drucksensitiven Applepencil und starte meine Lieblingsapp Procreate.

Procreate ist für mich der Mercedes unter den Kritzelanwendungen fürs Tablet. Diese App ersetzt mir zum Teil Photoshop als Bildbearbeitungswerkzeug, bereitet mir mit Zeitraffervideos den Weg für tolle Erklärfilme und ist mit der hohen möglichen Auflösung auch der Ursprung für hochwertige gedruckte Sketchnotes.

Für den grafischen Laien sind die Funktionen und Möglichkeiten schlichtweg erschlagend und leider alles andere als selbsterklärend. Nun stelle dir vor, ich habe dir jetzt ganz viel Appetit aufs Sketchnoten gemacht, du möchtest sofort starten, und öffnest Procreate. Ohne ein paar Basicvideos wird es dir kaum gelingen auch nur ein neues Dokument zu erstellen oder es im passenden Format zu exportieren.

Im Ergebnis wird dir das Gleiche passieren, wie den meisten meiner Workshopteilnehmer, die ein Ipad besitzen, die richtigen Apps installiert haben und trotzdem noch nicht darauf zeichnen – sie sind Opfer ihres “Multitaskings”. Sie wollen einfach zu viel auf einmal und kapitulieren dann.

Sketchnoten ist eine Visualisierungstechnik, die Aufmerksamkeit braucht und wenn technische Hürden auftauchen, schnell in der Schublade verschwindet. Das ist der Grund warum ich allen Sketchnote-Anfängern empfehle, erst einmal analog zu starten und ganz haptisch, mit den Fingern ein Gefühl für das Medium und die Visualisierungstechnik an sich zu bekommen. Wenn das entspannt geht und die ersten Hemmungen abgebaut sind, ist das Zeichnen auf einem Tablet „nur“ ein weiteres Medium, das erobert werden will.

Übrigens werden dir die meisten Sketchnoter bestätigen, die vom analogen Zeichnen kommen, dass sie digital erst mal nicht die gleiche, hohe Qualität auf die Straße bringen. Digitales Sketchnoten hat eigene Regeln und erfordert sicheren Technikeinsatz. Wenn du es dir also leicht machen möchtest, starte mit einem einfachen Kugelschreiber auf alten Briefumschlägen. Das spart Ressourcen und nimmt die Hemmung, erst einmal loszulegen. Anders gesagt: Starte analog, um digital erfolgreich zu zeichnen!

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Artikelbildquelle Pixabay: https://pixabay.com/de/malerei-zeichnen-bleistifte-stifte-911804/

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